Jeder Tag zählt – doch Krankenhäuser warten auf Corona-Impfschutz

Paderborner Krankenhäuser fordern schnelleren Impfstart für Klinikpersonal

Während die Corona-Impfungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen bereits begonnen haben, müssen die Ärzte und Pflegefachkräfte der Kliniken in NRW noch darauf warten. Die festgelegte Priorisierung des Landes NRW trifft in den Kliniken auf Unverständnis. 

Die Verantwortlichen der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH und des Brüderkrankenhauses St. Josef in Paderborn sind sich einig: „Gerade das Impfen des Personals in den Risikobereichen, beispielsweise auf den Intensiv- oder Isolierstationen, müsste oberste Priorität haben. Das Klinikpersonal in anderen Bundesländern ist bereits geimpft. Das muss nun schleunigst überall geschehen. Der Impfstart für Ärzte und Pflegefachkräfte ab dem 18. Januar ist viel zu spät!“

Die bisherige Priorisierung müsse daher dringend grundlegend überarbeitet werden. NRW folgt mit der Priorisierung dem Plan der Bundesregierung: Zunächst werden Bewohner von Pflegeeinrichtungen geimpft, dann deren Beschäftigte und Personen über 80 Jahre. Erst danach sind die Krankenhäuser an der Reihe. „Wir haben großes Verständnis dafür, dass die Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeeinrichtungen priorisiert wurden. Doch wie kann es sein, dass unsere Mitarbeiter, die sich täglich um an Corona erkrankten Patienten kümmern und sich damit einem hohen persönlichen Risiko aussetzen, nicht mit gleichwertiger Priorität gegen das Virus immunisiert werden? Obwohl in einer Pandemie jeder Tag zählt, wurde das Klinikpersonal in NRW anscheinend vergessen“, hadert Dr. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH und Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands. Gerade in OWL, wo es im vergangenen Jahr viele Corona-Hotspots gab, musste das Klinikpersonal kranke und schwerstkranke Patienten mit dem Corona-Virus versorgen. „Trotz der umfänglichen Hygienemaßnahmen ist eine Ansteckung nicht eindeutig ausgeschlossen. Es ist richtig, zuerst jene vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen, die besonders von einer Ansteckung bedroht sind. Dazu zählen aber auf jeden Fall auch die Ärzte und Pflegefachkräfte, die die Erkrankten jeden Tag versorgen“, so Siegfried Rörig, Kaufmännischer Direktor des Brüderkrankenhaus St. Josef. 

Bundesgesundheitsminister Spahn appellierte kürzlich an das Klinikpersonal, sich ihrer Verantwortung zu stellen und sich impfen zu lassen. Auch Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft richtete sich an alle Mitarbeitenden der Krankenhäuser: „Nur durch eine umfassende Impfung der Bevölkerung und vor allem auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen werden wir die Pandemie im Verlauf dieses Jahres überwinden können.“ Internen Umfragen nach sei die Impfbereitschaft in den Kliniken OWLs hoch. „Ein Dilemma: Wir sind seit Wochen bereit, kommen aber nicht an die Reihe“, fasst Dr. Düllings zusammen. 

Bildunterzeile:

Von links: Siegfried Rörig, Kaufmännischer Direktor des Brüderkrankenhaus St. Josef und Dr. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH. Foto: St. Vincenz-Krankenhaus/Kronsbein